«Ich habe kein Mitleid mit den Tieren»

Unsere Generation scheint für Modetrends auf Ethik und Moral zu scheissen: Dass gerade für die derzeit so beliebten Winterjacken mit Pelzkragen Tiere mit ihrem Leben zahlen mussten, kümmert nämlich die Wenigsten.

Wenn wir durch die eisigen Winterstrassen laufen, sehen wir es an jeder Strassenecke: Das Fell gequälter Lebewesen, das sich um so manchen Hals schmiegt. Sei das am Kragen der überteuerten Winterjacke, als Bommel an Mützen oder als Accessoire an der Handtasche – Echtpelz erlebt ein grosses Comeback, besonders auch in unserer Generation. Wir, die doch gerade dafür bekannt sind, gegen das Leid und für eine bessere Welt kämpfen zu wollen, scheinen unsere Empathie irgendwo zwischen Feierei und 9-to-5-Job vergessen zu haben.

Dass Pelz nicht überall gern gesehen oder gar toleriert wird, mussten einige Nachteulen am eigenen Leib spüren: Der Zürcher Club Hiltl und das dazugehörige Vegi-Restaurant verweigern Clubgängern den Einlass. Seit rund zwei Jahren gilt im Zürcher Club die Regel: Trägst du echtes Tierfell an deinem Körper, musst du deinen Wodka Lemon woanders bestellen. «Jede vierte Jacke, die wir sehen, ist eine Markenjacke mit echtem Fell», sagt Annatina Portmann zu TeleZüri. Die Türsteherin kontrolliert die Echtheit der bepelzten Kleider am Eingang des Clubs. Dabei reagiert nicht jeder Pelzträger mit Engelszunge auf die Abweisung.

«Pelz ist ein Produkt für proletarische Gören»

Auch im Netz ruft das konsequente Verbot des Nachtclubs so einige emotionsgeladene Reaktionen hervor: «Wenn man das so an die grosse Glocke hängen muss, verliert man an Glaubwürdigkeit. Das ist doch reine PR!», schreibt ein User auf Facebook. Es gibt allerdings auch bestätigende Kommentare: «Pelz ist ein Produkt für proletarische Gören. Das ist untragbar», schreibt eine andere Userin.

Das grosse Problem der Debatte: Viele Menschen wissen gar nicht, welche Qualen hinter der Pelzproduktion stecken und wie die Tiere gehalten und getötet werden. Das bestätigt uns Tobias Sennhauser, Präsident der Schweizer Tierrechtsorganisation «Tier im Fokus»: «Jährlich werden rund 100 Millionen Nerze, Füchse, Hunde, Katzen und andere Kleintiere für ihr Fell getötet. Sie leben meist in furchtbar kleinen Käfigen und werden später vergast, mit Eisenstangen erschlagen oder mit analem Stromschlag getötet». Zusätzlich kaschiere die Modeindustrie ihre Produkte sehr geschickt.

Wo bleibt unsere Empathie?

Ob sich etwas an unserem Konsumverhalten ändern würde, wenn mehr Menschen über das Leid der Tiere Bescheid wüssten, bleibt fraglich. Der Zürcher Stilexperte Jeroen van Rooijen ist der Meinung, dass es Pelzträgern zumindest nicht komplett egal sei, was sie tragen: «Viele leben nach dem Motto: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss», sagt Jeroen. Auf Pelz könne man heutzutage jedoch problemlos verzichten, weil es hochentwickelte synthetische Alternativen gibt, meint Jeroen.

Doch nicht jeder gibt sich mit Kunstfell zufrieden: Viele bestehen regelrecht auf echtem Fell, wie unsere Strassenumfrage zeigt. Der 19-jährige Noel hat sich beispielsweise sehr wohl Gedanken zu seinem Fellkragen gemacht: «Ich trage ihn, weil er mir gefällt». Mitleid mit den Tieren habe er aber nicht. Er sei sich sicher, dass Tiere für teuren Pelz weniger leiden würden: «Meine Jacke ist von «Woolrich», da weiss ich, dass die Tiere besser gehalten werden». Bessere Haltung hin oder her – jeder Pelz hat die gleiche Herkunft, wie Tobias sagt: «Er entstammt der Gewalt. Das Tragen von Pelz symbolisiert die Herrschaft des Menschen über die Tiere».

Vielleicht sollten wir diese Überlegenheit endlich einmal sinnvoll einsetzen, den Rest unseres Mitgefühls zusammenkratzen und uns für das Leid dieser empfindsamen Lebewesen starkmachen, um ihnen eine Stimme zu geben. 


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736 Kommentare

Chris. G vor 9 Tagen
Pelz ist einfach nur Wunderbar, ich trage ihn gerne und so oft wie möglich. Und wer es nicht mag, soll halt woanders hin Kucken.
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Lara vor 2 Monate
Jeder der Pelz tragen will sollte sich vor dem Kauf min. 1std.lang ansehen müssen woher sein Pelz stammt und wie die Tiere augebeutet & ermordet werden. Das gilt übrigens auch für Leder! Wer's nicht glaubt sollte sich mal die zwei Beiträge ansehen! youtu.be/8Khudf2CAMQ www.youtube.com/watch?v=SbalOArnly4&feature=share Wir Menschen sind die waren Bestien dieser Erde!
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Sonja vor 2 Monate
Herrschaft wenn ich nur schon höre. Hat sich jemand schon die Frage gestellt wie es am Anfang ohne Waffen wahr? Der Hunger war ja immer schon da. Der Stamm wählt denjenigen aus, der mit dem Tier ums überleben kämpft. Das hiess bis zu 8 Stunden. Tier gegen Mensch ohne Hilfsmittel wie Waffen. Mann soll doch uns zeigen, wie die Tierhaltung bis zum Fertigprodukt alles an einem Bildschirm zeigen lassen, dass sind Tatsachen. Wie haben nicht das Recht zu herrschen, sonst verlieren hier die Beherrschung. Ohnmacht ist bzw war Macht, dann Macht ist Macht. Und ich gehe noch einen Schritt weiter, wenn Gemacht ist Macht. Herrschen ist eine Sache. Töten, quälen. leiden (auch die schafft) mit Leidenschaft gut zu wissen wie mann kann explizit vernichten. Wenn alles zerstört ist, über was hat mann dann noch zu herrschen, Selbstbeherrschung dass es nicht so kommt wie es bereits seit längerem ist. Die Menschen sind für mich zu Maschinen geworden (Ritalin=Gehorsamspille)die nur noch zu funktionieren müssen und auf keinen Fall eine Diskussionen führen, die niemanden interessiert. Ich halte die Einstellung der Indianer, gegenüber dem Tier und der Natur als pur. Und nicht als Missbrauch gedacht, sondern zum Zwecke des Überlebens. Kein Tier tötet aus Spass, Perversion, oder nur reinem Trieb zur Befriedigung, seiner noch kaum fruchtbaren Samen. Mann hat festegestellt dass es knapp wird mit der Fortplanzung; fortfahren wäre viel besser und klüger. Wir haben von all dem keine Achtung noch Respekt mehr. Es ist nicht Schuld Gottes! Der Feind in uns der sich immer weiter ausstreckt.
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Eule vor 2 Monate
An alle gefühllosen Pelzträger/innen: Vielleicht werdet ihr ja im nächsten Leben als Pelztier geboren und erlebt all die Qualen und schmerzen am eigenen Leibe.
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