Liebe Schweizer, esst ihr wirklich Katzen?

Unser Redaktor ist vor einiger Zeit aus Wien nach Zürich gezogen. Auch heute noch begegnen ihm täglich eidgenössische Eigenheiten, die ihn irritieren, amüsieren oder sogar ärgern.

Kulturschock und Sprachbarriere waren anfangs gross – aber schnell abgebaut, als ich vor fast zwei Jahren mein heissgeliebtes Wien für mein heute nicht minder heissgeliebtes Zürich verlassen habe. An so einiges habe ich mich mittlerweile gewöhnt:

Eine Pizza für 20 Franken bestellen; Liefergebühr und Trinkgeld noch nicht inbegriffen? Locker, easy. Bei einer Wohnungsbesichtigung gegen gefühlte siebenundneunzig andere Bewerber in einen erbitterten Konkurrenzkampf treten? Normal. Sogar mit dem Konzept von Gebührensäcken und der mickrigen Brotauswahl komme ich inzwischen gut klar.

Trotzdem poppen immer noch beinahe täglich neue Ausdrücke, Traditionen, Bräuche und Eigenheiten in mein Leben, die für euch Schweizer aus irgendeinem Grund vollkommen normal erscheinen, aber für mich – und wohl den Grossteil der restlichen Welt – an Skurrilität kaum zu überbieten sind.

Schwingen
Liebe Schweizer, wir müssen reden. Als ich das erste Mal von dieser Sportart namens Schwingen gehört habe, war ich fest davon überzeugt, einem dummen Scherz beizuwohnen. Als wollte man meine Leichtgläubigkeit testen und mir ein absurdes Märchen aufbinden. Aber nein. Ihr feiert allen Ernstes diese Schweizer Version des Sumoringens, in der sich zwei stämmige Typen gegenseitig an den Höschen ziehen. Es ist so bizarr, dass es sogar wieder cool ist. Und irgendwie hypnotisierend. Habe mir letztens stundenlang Videos davon angesehen.

Sechseläuten und der Böög
Euren Brauch, jährlich in Zürich eine gigantische schneemannähnliche Puppe auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen und auf deren Explosion alle Anwesenden warten (um daraus eine Wetterprognose zu ziehen?), finde ich eher bedrohlich als romantisch. Die hysterischen Menschenmassen, denen es nicht zu blöd ist, sich erwartungsvoll um das brennende Etwas zu scharen und die befackelten Reiter, die aggressive Runden drehen, tun ihr Übriges.

Coop und Migros
Auch in Österreich gibt es grosse Supermarktketten. Billa und Spar heissen die bei uns. Diese allgegenwärtige Übermacht, wie Coop und Migros sie hier in der Schweiz besitzen, erstaunt mich jedoch immer wieder aufs Neue. Und was, bitte, hat es mit diesem «Coop- oder Migros-Kind?»-Ding auf sich? Und gibt es jetzt Aldi-Kinder? Oder gibt es sie nicht? Bitte um Antworten!

Katzen essen
Hier kommen ja auch die Schweizer auf keinen grünen Zweig. Zumindest die, die sich bisher mit mir über dieses Thema unterhalten haben. Wikipedia und andere (teils seriösere) Quellen behaupten ja, dass es tatsächlich in einigen Schweizer Gegenden Tradition sei, Katzen- und Hundefleisch zu verzehren. Andere beharren steif und fest auf der «Urban Legend»-Erklärung. Egal, ob es jetzt stimmt oder nicht – alleine die Tatsache, dass zumindest das Gerücht im Umlauf ist, finde ich gelinde gesagt unheimlich.

«En Guete!»
Höflichkeit ist eine Tugend. Aber ist es tatsächlich notwendig, zwischen halb zwölf und vierzehn Uhr jedem, also wirklich absolut ausnahmslos allen vorbeilaufenden, noch so fremden Menschen ein enthusiastisches «En Guete!» entgegenzuschmettern? Freut ihr euch alle so hart auf euer Katzenschnitzel oder seid ihr einfach nur übertrieben höflich? Und: Warum fragt ihr Schweizer im Zug oder Bus, ob der ganz offensichtlich nicht besetzte Platz neben einer Person «noch frei» ist? Natürlich ist da frei, setzt euch einfach hin – um Himmels willen! (Vielleicht bin ich auch einfach nur schlecht erzogen?)

Bonus: Eszett / ß
Um es vollständigkeitshalber mal erwähnt zu haben: Mir fehlt das scharfe S unheimlich! Abgesehen davon, dass sich Buße und Busse, Maße und Masse so viel einfacher unterscheiden lassen, ist es auch wunderschön.


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259 Kommentare

Mardith vor 3 Monate
Die Schweizer isst kein Katzen. Die Schweizer hat lieber gern Musche zum Essen (Hahaha) anstatt Katzen.
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Antwort
Antwort von vor 3 Monate
Die Schweizer isst Katzen? Dafur wäre die große hungersnot 1816/1817 über nordosten Schweiz machen...
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Antwort von nina vor 2 Monate
Katzen-essen? nein danke! Pussy-essen ist die gute Wahl...
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Antwort
Franz Deubelhuber vor 3 Monate
Ja, man nenne mich humorlos. Arrogant bin ich nicht. Im Gegenteil. Im 4-Personenbüro höre ich als einziger Schweizer täglich solche "witzigen" Geschichten. Immer mit einem unterschwelligen "bei uns Zuhause gäbs sowas nicht", seitens meiner Expat-Kollegen. Ich bin es einfach nur noch leid. Schweizer werden erzogen, sich als Gast bei Fremden zu benehmen. Man stösst Gastgeber nicht vor den Kopf und man zieht ihn wegen seiner Marotten nicht auf.
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