Steckt Youtube in einer Krise?

Seit mehreren Monaten beschweren sich Youtuber über die Zusammenarbeit mit der Videoplattform. Viele sprechen sogar von einer Krise. Doch was ist an den Vorwürfen dran?

PewDiePie, der Gamingking Youtubes, wollte vergangenen Freitag seine angekündigte Drohung wahr machen und seinen Channel, sobald er 50 Million Abonnenten erreiche, vom Netz verschwinden lassen. Als die Subscriberbox des Schweden schliesslich 50 Millionen anzeigte, starrte die Welt gebannt auf ihren Bildschirm. Würde einer der beliebtesten Channels der Welt für immer im virtuellen Papierkorb verschwinden? Natürlich hielt PewDiePie sein Versprechen – nicht.

Denn anstatt auf den Delete-Button zu klicken, löschte Felix Arvid Ulf Kjellberg – so PewDiePies bürgerlicher Name – lediglich seinen zweiten Kanal mit wesentlich weniger Subscribern und postete ein weiteres Video auf seinen Hauptkanal, in dem er – wiedermal – YouTube anschwärzt.

Krasse Einbrüche

Seine Aktion wird im Internet von Zuschauern und Youtubern kritisiert wie auch gefeiert. Einerseits nervt sich die Internet-Community über eine weitere Arschloch-Aktion von PewDiePie – es war nicht seine erste – andererseits lenkt der Schwede auf ein schwerwiegendes Problem: Youtube steckt in einer harten Krise.

Der Grund für PewDiePies Unmut: Youtube änderte vor ein paar Wochen seinen Algorithmus. Dieser führt dazu, dass die gängigsten Beauty-Tussen, Prank-Idioten und Gaming-Pros weniger vorgeschlagen und unbekanntere Youtuber empfohlen werden. Auch werden nicht alle Abonnenten von Youtube benachrichtigt, wenn ein neues Video ihres Lieblings geuploadet wird. So erklärt sich die Youtubewelt die Einbrüche.

«Youtube ist kaputt»

Auch die Trendseite zeigt nicht mehr die beliebtesten Videos an, sondern jene von Kinotrailern, Werbungen und auch TV-Shows wie «The Daily Show». Der bekannte Youtuber Ethan Klein nennt die Trendseite in seinem Rant über die aktuelle Lage mit Youtube sogar die «Paid Page». Er warf der Plattform vor, das Unternehmen platziere gegen Geld wenig beliebte Videos von Kunden.  

Dass nicht nur PewDiePie hart angepisst ist, beweisen unzählige Videos – meist mit dem Titel «Youtube is broken» oder «Youtube ist kaputt». In den meisten zeigen Youtuber, auch Content Creators genannt, mit Zahlen und Statistiken auf, wie ihre Abonnentenzahlen krass eingebrochen und auch ihre Videoviews geschrumpft sind. Zudem beschweren sich einige darüber, dass sie bei jedem Videoupload hunderte –sogar tausende – Abonnenten verlieren. Harter Tobak.

Tschüss zehn Millionen

Ein bitteres Beispiel für die aktuelle Situation: Der britische Gamingkanal «TheSyndicateProject». Tom Cassel, der Macher des Channels, feierte im Juni 2016 das Erreichen von 10 Millionen Abonnenten. Inzwischen ist er wegen des Algorithmus und einer allgemeiner Löschung von inaktiven Usern seitens Youtube auf 9,8 Millionen Subscriber abgesackt.

Auch deutsche Youtuber sind vom Algorithmuswechsel betroffen: Kelly Svirakova alias MissesVlog klagt, dass sie bei jedem Videoupload Subscribers verliert und gesteht:«Ich getraue mich gar nicht mehr, ein Video hochzuladen.»

Anstatt auf den Videoupload zu verzichten, setzt der österreichische Youtuber Michael Buchinger auf einen erhöhten Output. «Früher hab ich mit zwei Videos pro Woche 100‘000 Views erreicht. Seit dem Einbruch muss ich drei Videos pro Woche produzieren um die gleiche Anzahl zu erhalten», erzählt er uns. Zuerst dachte er, es liege an der Qualität seiner Clips. Nun ist er froh, dass es alle betrifft.

Spielplatz von dummen Pranks

Ob der Rückgang der Views und Abonnements wirklich nur am Algorithmus liegt, ist zu bezweifeln. Denn sind wir mal ehrlich: Youtube ist zu einem Spielplatz von dummen Pranks, einfallslosen Beautytutorials und identischen Gamingchannels mutiert. Da versteht man schon, dass Youtube gegen den Einheitsbrei ankämpfen will und auch unbekannteren Channels eine Chance geben möchte.

Und während alle verwöhnten, millionenschweren Youtuber rumheulen, schweigt jemand eisern: Youtube selbst. Weder die Content Creators noch wir erhielten auf Anfrage irgendeine Antwort. Darum kann auch nicht abgeschätzt werden, ob 2017 eine Besserung im Youtube-Land in Sicht ist. Aber hol dir schon mal Popcorn, den irgendwo dreht sicher schon jemand den nächsten Rant. 


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54 Kommentare

Benschelord vor 5 Monate
Lol der Artikel also echt... genau über die fehlende kommunikation seitens youtube beklagt soch doch pewdiepie ihr deppen. Ubd es werden nicht "unbekannte" channels angezeigt, sondern eben mainstream medien.
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ellie vor 5 Monate
Unbekannte Youtuber werden häufiger angezeigt? Ist doch super, vor allem wenn man neue, unbekannte Musik usw. sucht. Diese Youtuber sollen aufhören zu heulen, schliesslich heucheln sie in jedem video ja, dass ihnen die anzahl abonnenten und das Geld nicht wichtig sind, oder?
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Advocatus Diaboli vor 5 Monate
Immer dieselbe Leier dieser Fritzen. Da beschweren sie sich, dass YouTube kaputt ist und nicht, dass tägliche Episoden mit dem exakt selben Inhalt auf die Dauer einfach nicht interessant sind. Gerade PewDiePie hat mit seinen Milliönchen die er scheffelt gar nichts zu motzen. Hier geht es nicht um eine echte Sorge um ihre Zuschauer wie sie immer in den Videos propagieren, sondern ganz klar um ihren eigenen Zahltag. Sorry, ihr habt halt eine Karriere auf YouTube nicht einfach so verdient und niemand hat euch zugesichert, dass das eine zuverlässige Einnahmequelle bleiben wird über die nächsten Jahre. YouTube schuldet euch nichts.
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karma vor 5 Monate
ui nein, bei mir kullern gleich die Krokodielstränchen bei dem gejammere wegen völlig überbewerteten und sinnlosen gebrabbel, welches unbedingt 'online' gestellt werden muss. man ist ja soooo wichtig... karma's a bi*ch! sh*t up and get a real job!
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