Die Rap-Queen vom Reithof

Die Rapperin 11Ä lebt mit Kindern und Pferden in einem kleinen Kaff am Arsch der Welt. Wir haben die weibliche Hoffnung des Schweizer Hip-Hop besucht.

Wenn man an Rapper denkt, denkt man an Grossstädte, an Kids, die an einer Bahnhofsecke ihre Freestyles üben und sich danach mit Vodka-Red-Bull Inspiration im Nachtleben suchen. Man denkt an Bling Bling oder an Kunstschul-Rapper wie Yung Hurn, an Lyrics über Drogen, Bitches oder die eigene Crew. 11Ä ist nichts davon. Und packt trotzdem easy viele Hip-Hopper der Schweizer Szene in den Sack, was sie mit ihrem jüngsten Release «Hie» wortgewandt beweist.

11Ä heisst eigentlich Romy, ist 32 Jahre alt und lebt so abgelegen, wie man das im Kanton Bern überhaupt tun kann: Eine kleine Siedlung in der Nähe von Rapperswil ohne ÖV-Anschluss und Kiosk. Ein Dorf, in dem wir als Besucher beim Warten am Dorfbrunnen aufmerksam gemustert werden. 11Ä ist hier aufgewachsen, zog ein bisschen in der Schweiz umher und ist jetzt seit rund drei Jahren wieder da, wo alles begann: Auf dem Reithof ihrer Mutter, wenige Minuten von dem Ort entfernt, wo sie als Mädchen ihre ersten Reime geschrieben hat.

Zwischen Pferden und Feldern

«Ich fühle mich unheimlich wohl hier, zwischen den Feldern, den Pferden und der Landluft», sagt 11Ä. «Für mich ist das hier das wirklich Echte.» Das Echte, oder besser gesagt: die Realness, ist im Hip-Hop ein Dauerthema. Und 11Äs Antwort darauf lautet ziemlich anders als die der meisten: Heugabel und Herzlichkeit statt Markenhoodie und Mackergetue.

«Schliesslich bin ich ja auch ein Vorbild», sagt sie und schielt kurz zu einer ihrer beiden kleinen Töchter hinüber. Und das nimmt sie ziemlich ernst. Bei einem kurzen Ausritt trägt sie anständig einen Helm und ihre Texte sind so verfasst, dass sie auch ihre Kinder im Auto mitrappen können – abgesehen vom einen oder anderen «Bitch» – aber wir leben ja im 21. Jahrhundert, ne? Dass die Lehrerin der örtlichen Schule 11Äs Tochter eine CD für ein Autogramm mit nach Hause gibt, unterstreicht das nur noch mehr.

Breiter Mix an Musik

Musikalisch gesehen ist «Hie» eine ziemlich bunte Scheibe. Von poppigen Dance-Tracks («1Läbe») über klassische Funk-Beats («Liebi») bis zu balladesquen Songs für ihre Kids («Aus woni ha»). Was aber immer mitschwingt: Optimismus und eine ziemlich ausgeprägte Ehrlichkeit. Hut ab dafür.

Am Donnerstag war 11Ä auch zum ersten Mal beim Cypher zu Gast. Ihre Performance könnt ihr euch hier ansehen.



Video von Valentina Sproge


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20 Kommentare

WR86 vor 8 Monate
Yo coole shit, aber no geiler wär es featuring mitm nikn denn isch Bärn richtig krass!
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Prinzäsinnä-Gang vor 8 Monate
Schöner Bericht. 11ä du bist wie du bist! Einfach wunderbar. Wir sind Fan😍
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Tani vor 8 Monate
Queen😍😍
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Tani vor 8 Monate
Queen😍😍
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