Meine Familie hat mir Bitcoins versaut

Seit dem Sommer experimentierte unser Redaktor mit Kryptowährungen. Jetzt verkaufte er viel davon – wegen der Familie und Tageszeitungen.

Mittlerweile sind Kryptowährungen – vor allem Bitcoins, der Opa unter dem Digitalcash – genauso wie Instagram oder Deutschrap Thema bei Familienfesten geworden. Diese Weihnachten quatschten mich Verwandte und Bekannte, die üblicherweise Hilfe beim Verfassen von Emails brauchen, auf Kryptowährungen an. Und auch Bünzliblätter und Lokalzeitungen haben Bitcoins entdeckt. Grund genug, ein Fazit aus meinem diesjährigen Krypto-Experiment zu ziehen.

Im Sommer wagte ich mich in die Blockchain-Welt (nachzulesen hier). Ich begann damals mit 500 Stutz, wollte 2000 und endete bei etwas mehr als 1500 Franken. Was wohl gut genug ist, denn: Mitarbeiter aus anderen Ressorts witterten eine Chance, besorgten sich Bitcoins und erzählten mir unaufgefordert von 30 Prozent Gewinn innert ein paar Tagen. Und da wurde mir ein bisschen mulmig.

Stress durchs Trading

Auch das stetige Verkaufen und Kaufen von alternativen Kryptowährungen setzte mir mit der Zeit zu. Ich verbrachte Stunden auf Reddit, 4chan und in Discord-Gruppen um potentielle Hypes zu erschnuppern und mein Handy vibrierte bei heftigen Kurswechseln. Während Insta-Benachrichtigungen immerhin ein gutes Gefühl auslösen (was auch immer diese kurzen Endorphin-Schübe mit unserer Psyche anstellen), führte das Nachlesen über digitales Geld und dessen Kurse eigentlich nur zu Stress.

Anfang Herbst nahm ich mir deshalb vor, das Trading sein zu lassen. Ich besorgte mir ein Hardware-Wallet – ein USB-Stick, auf dem die Schlüssel für mein digitales Geld gespeichert sind –, tauschte alle Kryptowährungen in Bitcoins um und nahm mir vor, in drei Jahren eine Million auf mein Konto zu überweisen. Oder so ähnlich.

Rekordwerte ohne Ende

Doch dann folgten die Nachrichten Ende November: Ein Bitcoin überstieg den Wert von 10'000 Franken, knapp zwei Wochen später stieg er auf 20'000 Stutz. Gleichzeitig wagten Medien wie der «Blick» einen Selbstversuch mit Bitcoins, altkluge Journalisten erzählten immer wieder die Story der dotcom-Blase und meine Ex-Freundin meldete sich mit der Frage, ob sie mit Kryptowährungen ein Designstudium finanzieren könne.

Ich checkte zum ersten Mal seit Monaten wieder mein Kryptovermögen. Rund 7000 Stutz sind aus den anfänglich 500 Franken geworden. Not bad. Obwohl mich das beinahe wieder dazu verlockte, mich mit Trading zu versuchen, gewann trotzdem die Vernunft. Nachdem mich ein paar Tage vor Weihnachten dann eine technisch ahnungslose entferntere Verwandte auf das Thema ansprach, machte ich mir Sorgen, denn: Sie wollte schlicht Kohle damit machen und hat keinerlei Interesse an Technologie, Fortschritt, Nerd-Kram. Geht der Hype zu weit? Ich verkaufte ich einen Drittel meiner Coins. Für etwas mehr als 2000 Franken.

«Du Weichei!»

Ein paar Buddys, die selbst ein paar Tausend Stutz in Krypto besitzen, belächelten mich dafür: «Weichei, du könntest easy auf 20'000 Stutz kommen», meinte der eine. Seine Ursprungsinvestition von 1000 Stutz hat er noch nicht wieder in «echtes» Geld umgewandelt. Und im Rahmen von Kryptowährungen und Blockchains – immerhin zwei potentiell revolutionäre Entwicklungen – quasselt er eigentlich nur noch über Investitionen und Cash. Früher laberten wir noch darüber, wie Bitcoins den Turbokapitalismus beflügeln, die Finanzbranche über den Haufen werfen oder das zu einer kommunistischen Weltrevolution führen könnten. Schade.

Das restliche Kryptogeld steckt jetzt in Ethereum, ein System, welches nicht nur eine eigene Währung, sondern auch eine dezentrale Plattform bietet, auf der man eigene Programme – beispielsweise eigene Währungen – kreieren kann. Auch wenn sich mein Cash da nicht ganz so schnell vervielfachen wird – immerhin habe ich meine Ursprungsinvestition draussen und mein Geld bei einem vernünftigen Projekt untergebracht. Und hoffentlich schaffe ich es dieses Mal, ein paar Jahre die Finger von der Investition zu lassen. Oder mir endlich mit Kryptowährungen reale Dinge zu kaufen. Wie Pizza. Denn bisher war das hierzulande kaum möglich.


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47 Kommentare

Kryptokenner vor 8 Monate
Veros Coin (vrs) der wird abgehen glaubt es mir 😃 idt noch ssehr günstig und wird über 100.- CHF wert sein bis Ende Monat!
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Frank vor 9 Monate
Bleibt doch in der Schweiz. Kauft LISK. Ende Februar ist Relounch. Eines der safesten Investments meiner Meinung nach.
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Antwort von Kryptokenner vor 8 Monate
Oder kauft den Veros (vrs) Coin. Der geht durch die Decke!
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Panthera estae vor 9 Monate
Kauft xrp wenn ihr euer geld verdoppeln möchtet
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