Junge Frau fährt seit sechs Jahren im Karussell

Eine 20-Jährige findet ihr Heil auf dem Rummelplatz. Dadurch kann sie ihre Leidensgeschichte verarbeiten.

 

 

Mit dem Geld, das die 20-jährige Denise in den letzten Jahren für Karussellfahrten ausgegeben hat, hätte sie sich easy ein hübsches Sportauto leisten können. Oder eine Weltreise. Oder eine Anzahlung für ein eigenes Häuschen. Aber teilweise gehts eben nicht ums Grosse oder Materielle, sondern um die kleinen Freuden im Leben.


Der junge Salzburger Filmemacher Bernhard Wenger spazierte auf der Suche nach einer Story durch den Wiener Prater, den Vergnügungspark, indem auch das berühmte Riesenrad Zuhause ist. Und auf dem Tagada-Karussell sah er eine junge Frau, die scheinbar mühelos auf dem sich drehenden Boden stand, tänzelte und hüpfte. Auf die Frage, wie sie das denn hinkriegen würde, antwortete Denise schlicht: «Ich mache das seit sechs Jahren beinahe jeden Tag.»

Karussellfahren fürs Gleichgewicht


Bernhard war gefesselt und wusste: Er muss die Story der jungen Frau auf Film festhalten. Und da taten sich Abgründe auf, die man auf den ersten Blick wohl kaum erahnen hätte können.

Im knapp fünfminütigen Dokfilm «Gleichgewicht» – der mit wahnsinnig schönen Bildern und einer faszinierenden Story aufwartet – erzählt Denise, was sie aufs Karussell geführt hat. Und das deprimiert: Im Elternhaus gabs dauernd handgreifliche Streitigkeiten, mit 13 geriet Denise in einen Busunfall, später begann sie Medikamente zu missbrauchen und wurde von ihren Eltern weggegeben.

«Das ist meine Ersatzfamilie»


Das Leben zog sie danach wieder und wieder in den Wiener Vergnügungspark. «Der Prater hat mir einfach das Gefühl gegeben, willkommen zu sein», sagt Denise. «Wie es eigentlich bei einer Familie sein sollte. Und das Tagada – hier bin ich angekommen, das ist meine Ersatzfamilie. Und in schwierigen Zeiten waren auch die Mitarbeiter hier immer für mich da.»

Und so fand Denise, während in ihrem Alltag vieles ziemlich mies zuging, im Wirbel des Karussells eine Möglichkeit, Dinge hinter sich zu lassen – und ihr Leben ins Gleichgewicht zu bringen: «Wenn ich im Tagada stehe, lösen sich alle meine Probleme in Luft auf. Ich habe halt sehr viel erlebt und das hat mich zur Person gemacht, die ich jetzt bin», sagt Denise. «Aber ich bin sehr glücklich darüber, wer ich heute bin.»


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46 Kommentare

Fritz vor 4 Monate
Einfach eine hole nuss
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Antwort von Kamil vor 4 Monate
Oh. Da spricht wohl einer aus Erfahrung? Nur wer selbst eine hohle Nuss ist..... .
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Antwort von Giordano vor 4 Monate
Das als ersten Kommentar nach dieser Story zu lesen: unbezahlbar!
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Antwort von Lisa P. vor 4 Monate
@Fritz: Vier Worte und zwei davon falsch geschrieben und von Interpunktion auch noch nie etwas gehört aber andere "hole nuss" nennen. Bravo sag ich da nur.
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