«Ich war die grösste Schlampe in Oakville»

Kaum eine Youtuberin spaltet die Lager so sehr wie Emilia Farts. Mit ihrer schrillen Art und ihrer zur Schau gestellten Selbstinszenierung macht sie sich nicht nur Fans. Doch hinter der Fassade steckt viel mehr.

«Fun Fact: Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich einen Hals hatte. Eine Zeit, in der mein Make-up keine kleinen Kinder erschreckte, eine Zeit, in der ich etwas anderes trug als ein riesiges Leintuch», stellt sich Emilia Fart in einem ihrer Videos vor. Die 28-jährige ist zweifelsohne eine der bizarrsten Persönlichkeiten des Internets.

Es ist schwer, Emilia Fart und ihren Style zu beschreiben. Das selbsternanntes «gruseliges Goblinmädchen» lädt auf den ersten Blick ziemlich peinliche, sinnentleerte Videos von sich selbst auf Youtube und gibt sich mit mehr als merkwürdigen Outfits und extravagantem Make-up der Lächerlichkeit preis. Auf den zweiten Blick merkt man: Die Frau ist intelligent, tiefgründig und verwendet Humor, Selbstironie und -darstellung als exhibitionistische Therapieform.

Peinliche Geheimnisse eines Paradiesvogels

Der Name Fart (Furz) ist offensichtlich nicht echt, der Rest allerdings schon. Emilia Fart ist keine Kunstfigur, sondern das Ergebnis jahrelanger Unterdrückung des eigenen Ichs, der eigenen Seltsamkeiten. Es ist schwer, den bunten – und teilweise ziemlich nervigen – Paradiesvogel zu vergessen, wenn man die ersten Videos gesehen hat.

Bis zum Kinn in aus Bettwäsche genähte, übergrosse Umhänge gehüllt, geschminkt wie ein Clown aus der Zukunft und immer ein kleines bisschen zu laut: «Bevor ich fett wurde, war ich die grösste Schlampe in Oakville, Ontario!». Die Kanadierin lässt keinen Zweifel daran, dass sie mit sich selbst im Reinen ist. Meistens. Mit ihren mehr als 500'000 Followern auf Youtube und Instagram teilt sie ihre peinlichsten Geheimnisse, unangenehmsten Erlebnisse und tiefsten Ängste.

Gratis-Psychotherapie ohne Zwang

Sie hat keine Angst, vor ihren Fans zu lachen, zu weinen, zu tanzen oder zu rülpsen. Der Inhalt ihres Kanals variiert von lustigen Selbstgesprächen mit Selbst-Motivationscharakter über das Färben ihrer Haare in einer öffentlichen Toilette bis hin zu emotionalen Geständnissen über Traumata, Verlust- und Existenzängste, Sexualität und psychische Gesundheit.

Unbeirrbar ehrlich teilt Emilia absolut alles mit der Community. Sie fordert sich selbst heraus und gleichzeitig auch ihre Zuschauer. Hat man erst den Punkt erreicht, an dem man versteht, was diese schrille, dicke Frau eigentlich aussagen möchte, beginnt man unwillkürlich damit, sich Gedanken über das eigene Leben zu machen. Emilia Fart ist die perfekte Psychotherapeutin, von der wir nicht einmal wussten, dass wie sie überhaupt benötigen. Emilia versucht nicht, normal zu sein. Sie erkennt, dass es kein «Normal» gibt.

Mit Aufmerksamkeitswahn zur Selbstakzeptanz


«Bevor ich meinem Aufmerksamkeitswahn im Internet nachgab, war ich genauso skurril wie jetzt. Aber ich versteckte es. Ich habe mich jahrelang so versteckt, weil ich den Schmerz vermeiden wollte, nicht geliebt zu werden. Ich will aber nicht mehr zwischen Angst und Lügen leben», gibt sie in einem der wenigen ruhigen Momente, wie im Video mit dem Titel «My response to hate about Emilia Fart», preis. Hier beschreibt sie auch ihren Aufstieg zur Selbsterkenntnis und ihre Reise zur Selbstakzeptanz.

Und Emilias Begeisterung für diese Reise ist ansteckend. Sie lehrt uns den Mut, in unserer eigenen Seltsamkeit Positives zu finden. Sie redet laut zu sich selbst – und damit auch zu uns, ihren Zuschauen. Dabei suchen wir gemeinsam nach Wegen, um uns selbst so richtig supergut zu finden. Mit all unseren Macken, Ticks und «uncoolen» Vorlieben.


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11 Kommentare

Walti vor 2 Monate
Tja, wen man schon Furz (Fart) heisst, ist das vielleicht akzeptabel! Aber man sollte doch nicht nur viel auf den Hüften haben, sondern auch etwas im Oberstübchen! Oder?
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Antwort von Chnusti vor 2 Monate
Nageln würd ich sie trotzdem.
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Antitroll vor 3 Monate
Super Futter für all die Trolle die sich über andere auskotzen müssen, um sich in ihren kleinen erbärmlichen Leben einige Minuten wie Götter zu fühlen.
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Antwort von .... vor 2 Monate
Da hat wohl jemand das Wort "Troll" nicht verstanden.
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