«Es könnte interessant sein, sie zu töten»

Was passiert, wenn eine rebellische Teenagerin und ein selbstdiagnostizierter, mordlustiger Psycho gemeinsam auf eine Verbrecher-Tour durch England starten? Netflix zeigts und begeistert.

Das Jahr fängt schon mal gut an. Zumindest auf Netflix. Aber Achtung: Militante Tierschützer und Leute, die kein Blut sehen können, schalten besser gar nicht erst ein. Nach der gleichnamigen Comicvorlage liefert der britische Channel 4 mit «The End of the F***cking World» die wohl jetzt schon kontroverseste Teenie-Serie, die Netflix jemals übernommen hat.

In den ersten Minuten des neuen, revolutionären Serien-Hits bekennt sich der 17-jährige James zum Psychopathentum und belegt diese Diagnose mit seinem fehlenden Humor und seiner Obsession mit Tierquälerei und Selbstverstümmelung. Die lapidare Begründung: «Ich wollte etwas fühlen.»

Unsympathische Aussenseiter als Helden

Auch der zweite Hauptcharakter, die rebellische, angestrengt unangepasste und rotzfreche Alyssa, erscheint wenig sympathisch. Und wie der Zufall es will, finden genau diese beiden kaputten Seelen zusammen und machen sich auf einen blutigen, wilden Roadtrip durch Grossbritanniens graue Vororte.

Während Alyssa auf der Suche nach ihrem Vater ist, will James die Chance nutzen, seinen ersten «richtigen» Mord zu begehen. Und zwar an seiner Reisebegleitung, wie er den Zuschauer wissen lässt: «Ich dachte, es könnte interessant sein, sie zu töten.» Im Laufe der acht angenehm kurzen Folgen (je 20 Minuten), erfahren wir häppchenweise mehr über die Hintergründe der Protagonisten und warum sie zu dem geworden sind, was sie verkörpern.

Bonnie und Clyde unserer Generation

Zwischen tiefschwarzem, englischen Humor und beinahe aggressivem Nihilismus zeigt die Show – die sich selbst in ihren turbulenten und teils irren, fast surrealen Handlungssträngen nicht zu ernst nimmt – nicht nur auf schöne, subtile Weise die Verletzlichkeit und Naivität der Teenager-Seele.

«The End of the F***cking World» ist vor allem auch eine zutiefst romantische Liebesgeschichte, die das alteingesessene Konzept von Hollywood-Liebe ad absurdum führt und den Begriff von Romantik neu definiert.

Stilistisch irgendwo angesiedelt zwischen einem depressiven Wes Anderson und dem frühen Quentin Tarantino, wird aus der Serie – die zu Beginn wie eine düstere Folge von anderen Netflix-Teenie-Hits wie «Riverdale» erscheint – innerhalb weniger Folgen eine rasante Verfolgungsjagd. Alyssa und James werden zu Bonnie und Clyde unserer Generation.

Seit 5. Dezember steht «The End of the F***cking World» weltweit zum Streamen bereit und ist für uns ohne Frage das erste grosse Bingewatching-Highlight von 2018.



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12 Kommentare

Allyn vor 9 Monate
Also ich mag Alyssa irgendwie, sie ist im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen immer ehrlich und direkt. Sie sagt auf ziemlich vulgäre Aet und Weise das was sie denkt,hat aber meistens Recht damit. Sie sieht ihre Fehler, hat keine Mühe sie sich selbst einzugestehen aber wie den meisten Menschen fällt es ihr unglaublich schwer an ihren Fehler zu arbeiten und das macht sie meiner Meinung nach extrem real und menschlich auch wenn es auf manche Menschen abstossend wirkt
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Pesche Heiniger vor 9 Monate
Ich schaue lieber RTL und PRo7. Bessere Qualität an Unterhaltung als Dieses netflux. Danke
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Antwort von Logisch denken? vor 9 Monate
Dann viel Spass mit der Werbung. Rechnen Sie mal aus, wie viele Stunden Ihres Lebens draufgehen, wenn Sie täglich 2h diese Sender schauen. Mindestens 30min sind Werbung. Ich beneide Sie ganz und gar nicht
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Ekeltoni vor 9 Monate
Hatten wir das nicht schon mal, einfach besser und authentischer? Badlands- zerschossene träume, oder natural born killers? Die bilder die ich gesehen habe überzeugen mich nicht. Alles wirkt künstlich und aufgesetzt.
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