Das ist die traurigste App der Welt

Die App «Everydays» soll Hinterbliebenen dabei helfen, ihre Trauer über den Tod eines geliebten Menschen würdevoll zu zelebrieren. Und zwar ohne Katzenvideos und aggressive Werbung.

Soziale Medien haben nicht nur unsere Art zu leben verändern, auch die Art zu sterben sieht heute anders aus, als noch vor wenigen Jahren. Zumindest die Trauerbewältigung ist inzwischen viel öffentlicher und um einiges weniger intim als früher.

Mit dem Dahinscheiden unserer Liebsten stirbt auch deren Social-Media-Persönlichkeit, unsere Tränen vergiessen wir nicht nur für uns alleine im stillen Kämmerlein – auch im Internet lassen wir unseren Gefühlen freien Lauf. Geteiltes Leid ist schliesslich halbes Leid; weiss doch jedes Kind.

Food-Porn und Outfit-Posts sind unpassend

Dies wirft eine interessante Frage auf: Sind Social-Media-Plattformen – mit all ihren Trollen, Food-Porn-Pics, Outfit-Posts und aggressiven Werbeanzeigen – geeignete Orte für aufrichtige Trauer? Mark Alhermizi, Gründer und CEO der App «Everdays», hat seine Zweifel.

Diese Bedenken, kombiniert mit Forschungen, die ihn zu Trauer- und Bestattungskonferenzen auf der ganzen Welt führten, veranlassten ihn, einen Dienst zu gründen, der Menschen während eines der wichtigsten «Meilensteine der Lebensgeschichte» verbindet.

Makaber – aber nachvollziehbar

Damit meint Mark Alhemizi den Tod. «Man könnte uns vielleicht sogar als eine Art Facebook des Todes bezeichnen», sagt er im Interview mit «The Next Web».

Der Vergleich mag makaber klingen, ist aber bei genauerer Betrachtung durchaus nachvollziehbar. «Everdays» bietet die Möglichkeit, benutzergenerierte Inhalte wie Fotos, Zitate und Erinnerungen über die Verstorbenen privat weiterzugeben und zu teilen.

Private soziale Netzwerke

Trauernde User können sich untereinander austauschen und sowohl emotionale Gespräche führen, als sich auch über logistische und praktische Themen unterhalten, die in Zusammenhang mit Trauerbewältigung und Begräbnis-Organisation stehen.

Der wichtigste Unterschied zu Facebook besteht darin, dass «Everdays» sein eigenes kleines soziales Netzwerk unter Tausenden von Menschen weitergibt. User verbinden sich über ihre Beziehung zum Verstorbenen oder zu ihrer Familie. «Hinterbliebene sind selten davon begeistert, über den Tod ihres Vaters neben einem Beitrag einer tanzenden Katze zu berichten, wie das bei Facebook der Fall ist», erklärt Mark.

Würde und Respekt den Toten und Lebenden

Durch seine App wolle er die Angehörigen schützen und den Toten würdevoll Respekt zollen: «Es besteht keine Chance, dass ein Algorithmus die trauernden Beiträge der User analysiert und unabsichtlich den Tod ihrer Grossmutter ankündigt oder sie benutzt, um ihnen etwas zu verkaufen.»

Die App ist derzeit nur in den USA und Kanada aktiv, eine weltweite Veröffentlichung soll jedoch kurz bevorstehen.


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2 Kommentare

Bianca vor 24 Tagen
Lustige Katzenvideos gehören genau so zum Leben wie der Tod. Wenn ich mal verstorben bin, ist es mir noch so recht, wenn meine Hinterbliebenen sich später genau dort an mich erinnern, wo ich war: mitten im Leben. Und wenn sich's halt ergibt, ist das halt neben einem Video mit einer tanzenden Katze.
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Keintierfan vor 24 Tagen
Zum glücke keine katzen und kötervideos!!
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