Happy Birthday, Lieblings-Streamingdienst!

Vor 20 Jahren legte Netflix mit seinem Service los. Und ohne den Streamingriesen wäre die Welt heute um einiges langweiliger.

1998 war die Welt noch ziemlich anders. Es gab weder den MSN Messenger noch Myspace, alle hörten nur «Pretty Fly» von The Offspring und DVDs waren der neue, heisse Scheiss. Damals, am 14. April, lancierte Netflix seinen ersten Service. Und veränderte damit Stück für Stück die Filmbranche, die Popkultur und die Art, wie wir unkompliziert nach Sex fragen (Netflix and chill, anyone?).

Damals gab es natürlich noch kein modernes Streaming – es gab noch nicht Mal Youtube – und Netflix war noch ein klassischer DVD-Verleih im noch jungen Internet. Natürlich nicht ganz klassisch, denn das US-Unternehmen kam von Anfang an zu dir nach Hause. In kultig roten Umschlägen landeten die neuesten Hitfilme («Saving Private Ryan» oder «Doctor Dolittle») gleich im eigenen Briefkasten. Eine Woche später brachte man das vorfrankierte Couvert mit dem Film auf die Post und die ganze Sache war erledigt.

Vier Filme für 16 Franken

Rund eineinhalb Jahre später legte Netflix mit dem ersten Abo-Modell los. Für rund 16 Stutz im Monat konntest du bis zu vier Filme ausleihen und so lange bei dir Zuhause behalten wie du willst. Etwa zur selben Zeit begann der damalige Filmverleih damit, sein Repertoire mit aufwendig detaillierten Kategorien zu versehen. Das Ziel: Den Usern möglichst treffende Filmvorschläge liefern. Ein Move, mit dem Netflix dem Zeitgeist ein bisschen voraus war – das du im Netz mit individualisierter Produktwerbung zugeballert wirst, war damals noch Zukunftsmusik.

Mittlerweile ist das aber genauso Teil unseres Alltags geworden, wie das ausufernde Chillen vor dem Screen und die Frage: «Schauen Sie noch?». Den Grund dafür finden wir im Februar 2007, zwei Jahre nachdem Youtube das Licht der Internetwelt erblickte: Netflix legt mit dem Streaming los. Der Rest ist moderne Geschichte.

Nur China ist grösser

Mit rund 120 Millionen Nutzern in 190 Ländern ist Netflix heute der grösste Streaminganbieter in der westlichen Welt und erzielte letztes Jahr einen Umsatz von über drei Milliarden Dollar. Einzig iQiyi, ein chinesischer Videodienst, zählt mehr User. Und der frühere DVD-Verleih (auch heute verschickt Netflix noch DVDs – aber in sinkender Zahl) hat unsere Gesellschaft mehr beeinflusst als uns vielleicht bewusst ist.

Netflix stellt das Konzept der Serie auf den Kopf. Da diese nicht an fixierte TV-Slots gebunden sind, können Folgen verschiedene Längen haben. Das klingt vielleicht banal, aber: Der Zwang, eine Episode mit Füllmaterial zu strecken oder coole Storylines abzukürzen verschwindet so. Ausserdem können Autoren eher mal auf einen gesuchten Cliffhanger verzichten, denn die Fans müssen nicht eine Woche später vor den Screen gelockt werden, sondern schauen üblicherweise gleich direkt die nächste Folge an. Und die übernächste.

Neuer Style für Serien

Dank den Abos kann Netflix auf Werbung verzichten und so auch Serien ausstrahlen, die wegen fragwürdigem Inhalt (beispielsweise «13 Reasons Why») bei den Werbern nicht auf Zustimmung gestossen wären. Netflix machte ausserdem das Abo-Konzept für digitale Medien haushaltsfähig und über das Prägen der Popkultur müssen wir gar nicht gross sprechen. Seit Netflix 2013 mit «House of Cards» die erste Streaming-only Serie produzierte, die für die grossen Awards (Emmy, Golden Globes) nominiert wurde, werden hauseigene Produktionen wieder und wieder zu Hits.

Und auch Hollywood-Grössen wenden sich mehr und mehr dem Streamingdienst zu: Netflix zog sich Ryan Murphy an Land oder hatte mit Kevin Spacey einen High-Class-Actor für «House of Cards». Am bisher wohl grössten Coup arbeitet Netflix aber während diesen Tagen: Barack Obama soll mit Netflix gemeinsame Sache machen und ein paar Shows produzieren.


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6 Kommentare

Simmi vor 8 Monate
Nunja. Lieblings Streaming Dienst ist es nicht. Es kostet zuviel Geld. Da warte ich lieber 2, 3 Tage und sehe dan alles gratis auf serienstrem.to. Ganz praktisch Geld zu sparen. 😁
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Dj Redflame vor 8 Monate
What!!! Netflix ist jünger als ich snif xD.
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Antwort
Antwort von Eric vor 8 Monate
danke, ich mag aber keine Schokolade
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Antwort
Röbi Kessler vor 8 Monate
Und nicht zu vergessen: Netflix zeigt auch, dass die Synchronisation von Serien kein Jahr dauert. So kommen wir dank Netflix auch in der Schweiz extrem zeitnah an die neuesten Serien. Deutsch synchronisiert oder mit deutschen Untertiteln. In technisch viel besserer Bild- und Tonqualität als bei den linearen TV-Sendern. Ich bin nicht sicher, aber wurde binge-watchen nicht auch von Netflix "erfunden"?
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