Was sucht Botticellis Venus in London?

Ein brasilianischer Künstler platziert mit seinem Kunstprojekt Figuren aus alten Meisterwerken in unsere Welt – und lässt sie somit zu Zeitreisenden werden.

Was, wenn die Figuren der berühmtesten Kunstwerke zum Leben erwachen würden? Stellt euch zum Beispiel vor, Mona Lisa würde die Strassen New Yorks erkunden, das Mädchen mit dem Perlenohrring am Flughafen auf ihren Geliebten warten und Van Goghs Sonnenblumen stünden am Holocaust-Mahnmal.

Weg aus der Antike, rein in unsere Welt

Solche Szenen schafft der Künstler Gabriel Nardelli Araújo. In seinem «The Canvas Project» befreit der 28-jährige Brasilianer berühmte Charaktere von klassischen Gemälden und platziert sie in unsere Welt. So sind John Singer Sargents, Anselm van Hulles und William-Adolphe Bouguereaus Figuren nicht in idyllischen Landschaften oder vor Barockgebäuden, sondern in Spielhallen und in Gassen heutiger Metropolen anzutreffen.

 «Der Prozess ist komplett digital, meine Arbeiten existieren zumindest bis jetzt nicht in physischer Form», berichtet der Künstler der brasilianischen Plattform «Veja». Nardelli Araújo kreiert seine Kunst mittels Photoshop. Die Umgebung für seine Werke findet der Künstler auf Reisen – beispielsweise während einem Aufenthalt in England anfangs 2016, als er mit seinem Projekt begann. «Die Bilder der Figuren beziehe ich direkt von den Webseiten der Museen, in denen die Werke hängen – qualitativ sind die am besten geeignet», erklärt er.

Eine neue Art der Wertschätzung der alten Meister

Zu Beginn war «The Canvas Project» für Gabriel nur eine Form, sich künstlerisch auszuleben. Im Laufe der Zeit änderte sich die Bedeutung des Projekts: «Diese Montagen sehe ich inzwischen als neue Art der Anerkennung und Wertschätzung der alten Meister und deren Kunstwerke. Mein Ziel ist es ausserdem, dass Menschen, die mit meiner Kunst in Berührung kommen, irgendwann das Originalbild besuchen und einen anderen Blick auf das Kunstwerk haben».

Gabriel vergleicht seine Arbeit mit der Art und Weise, wie ein Graffitikünstler Spuren an einem alten Gebäude hinterlässt. Der Unterschied: Die Strategie des Künstlers vermeidet die Zerstörung historischer Relikte.


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1 Kommentar

bebbeli vor 4 Monate
Kunst einmal auf einem anderen Weg zu den Menschen bringen, finde ich gut.
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