«Die Welschen sind intolerant uns gegenüber»

Die Unterschiede zwischen der Romandie und der Deutschschweiz machen unserer Westschweizer Autorin zu schaffen. Obwohl sich viele Leser mit ihr identifizieren, teilen nicht alle ihre Meinung.

«Bist du Schweizerin? Echt jetzt? Du sprichst aber Französisch?» – unsere Westschweizer Redaktorin fasste sich bei diesem Satz wohl nicht nur ein einziges Mal an den Kopf. Wir verübeln ihr hier auch den einen oder anderen schamvollen Gedanken über ihre eigenen Mitbürger nicht.

Vor allem wir Deutschschweizer scheinen mit unserem Tunnelblick manchmal zu vergessen, dass irgendwo am Rande der Schweizer Karte – ja, da unten neben Frankreich und Italien – ein Zipfelchen französisch und ein anderes italienisch sprechend ist – und dass diese trotzdem zur Schweiz gehören.

Auch unsere Leser leiden unter dem Röstigraben

Unsere Redaktorin Pearl zog vor rund einem Jahr von Genf nach Zürich. «Ich fühle mich fremd im eigenen Land», beschwert sie sich nun. Dank unserem «Schwizerdütsch», das für auswärtige Non-Deutschschweizer nur mit äusserster Mühe zu erlernen ist, fühlt sie sich noch unerwünschter. Sorry, dafür, liebe Pearl! Zugegeben: Ihre Deutschkenntnisse sind angemessen, aber keinesfalls exzellent. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass die Französischkenntnisse vieler Deutschschweizer auch nicht gerade glänzen.

Einigen unserer Leser spricht Pearl aus der Seele: «Auch ich leide unter dem Röstigraben. Ich lebe als Deuschschweizerin in Moutier und werde auch da wie eine Ausländerin behandelt», schreibt Userin Annelies. Andere erleben ähnliche Momente in ihrer Wahlheimat: «Mir ging es im Welschland nicht besser. Absolute Intoleranz gegenüber den Deutschschweizern und wenn die Welschen denn auch Deutsch in der Schule hatten, stur beim Französisch bleiben auch wenn es bei allen Bemühungen nicht weitergeht. Schade.»

Wer soll nun wem entgegenkommen?

Nicht alle teilen allerdings die Meinung unserer Redaktorin und ihrer Leidensgenossen. Schliesslich könne sie sich anpassen und besser Deutsch lernen, findet Leser «The Walking Dad»: «Nun, nach einem Jahr in der Deutschschweiz sollte sie in der Lage sein, ihre Aussage auf Deutsch zu machen.» Leser «Seligi» stimmt zu: «Mann muss die Sprache, die gesprochen wird, schon lernen (wollen).»

Ob die Deutschschweizer nun netter zu den Romands sein, die Westschweizer sich anpassen oder einfach alle ihre sprachlichen Prinzipien über den Haufen werfen und Englisch sprechen sollten – wir wagen kein Urteil darüber zu fällen. Was die restlichen Leser über den Röstigraben und seine Nachteile schreiben, seht ihr in der Bildstrecke.


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58 Kommentare

Herbi vor 2 Monate
Ist doch schön, dass in unserem Land vier Sprachen gesprochen werden! Darum finde ich es auch wichtig, dass alle mindestens eine weitere Landessprache lernen. Allerdings war das Französisch, das wir in der Schule lernten, eher eine literarische, statt eine gesprochene Sprache. Erst als ich in die Romandie und nach Frankreich reiste, lernte ich es auch sprechen. Versucht man es mit ein paar Worten in der örtlichen Sprache, so sind die Leute meist auch hilfsbereit. So habe ich es meist erlebt. Aber wenn man im andern Sprachgebiet einfach in der eigenen Sprache losplappert, kommt das halt meistens nicht gut an. Bis man allerdings Gespräche in Gruppen richtig mitbekommt, dauert es schon einige Zeit. Da kann man kaum verlangen, dass alle sich anpassen.
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Wanda vor 2 Monate
Ich habe in der Westschweiz gearbeitet und als ich nach einer Woche noch nicht fliessend Französisch konnte, wurde ich von meinen Wag-Mitbewohnern einfach ignoriert. Die Einzigen, die micj wirklich unterstützt haben (z.B. Wörter erklärt, die ich bei Gesprächen nicht verstand), waren meine Chefin und die Lehrlinge.
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Die lieben Welschen vor 2 Monate
Die Welschen meinen auch in der Deutschweiz wird mit ihnen Französisch geredet, fragen nicht mal sondern plappern drauf los. Da sag ich nur: Wie bitte ?
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Li Si vor 2 Monate
seit 6 Monaten lebe ich in einem Französisch sprechendem kleinen Dorf nähe Moutier. Leider habe ich in der Schule (und auch freiwillig) nie Französisch gelernt. Aber inzwischen lerne ich sehr gut, da ich die Leute mit mir Französisch sprechen lasse, so lerne ich verstehen und hoffentlich mit der Zeit auch sprechen. Die Menschen hier sind enorm freundlich, erfreuen sich das ich hier leben will (weil es für mich der schönste Ort der Welt ist 😃!)... sei es auf der Gemeinde bei der Anmeldung oder im Dorfladen beim Einkaufen, alle sind immer sehr hilfsbereit, offen, freundlich und interessiert! Ich fühle mich alles andere als diskriminiert oder als fremd!!!
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