Harte Gitarrenriffs und Teufelshörner statt Räucherstäbchen

Metal-Yoga mischt harte Gitarrenmusik mit östlichen Meditationstechniken. Unsere Redaktorin hat sich die Sache mal angesehen.

Für mich bedeutete Yoga bis vor kurzem nur Stretching und entspannende Atemübungen. Nichts Weltbewegendes. Bei all den Möchtegern-Influencern und Pseudo-Esotanten, die ihren Tag nicht ohne Yoga und Meditation bewältigen könnten, löscht es mir ab. Kein Wunder wollte ich selber noch nie einen Versuch auf der Matte wagen.

Aber ich mache letzten Freitagabend die Probe aufs Exempel in Suzy Krauers Kurs. Sie macht seit über 20 Jahren Yoga, seit über zehn unterrichtet sie und seit einem Jahr leitet sie einen besonderen Kurs: Nebst den üblichen Yoga-Posen wie der Leichenstellung und der Kindspose, durch die Suzy die Teilnehmer begleitet, ertönt aus den Boxen Heavy Metal. I like. Vergiss Spa-Musik – bei der 43-Jährigen dröhnen richtig harte Gitarrenriffs durch den Raum. Willkommen im Metal-Yoga.

Amon Amarth statt Meditationsmusik

Ich befinde mich im Studio «Suburb Yoga» in der Nähe des Bahnhofs in Zürich Oerlikon und wage meinen ersten Versuch auf der Matte. Der Raum ist passend gefüllt mit schwarzangezogenen Menschen, aber sonst überhaupt nicht so wie ich erwartet habe. Soll heissen: Es ist hell und nicht in einem dunklen Keller, wie in meiner Fantasie.

Ganz vorne, vor einer gemusterten Wand: Suzy, ebenfalls ganz in Schwarz. Die Stunde beginnt und der Sound erklingt, erkenne ich einige Songs. Darunter Tracks von Amon Amarth, Pantera, Metallica. Suzy erklärt mir, dass sie für die Yoga-Playlist ihren Eingebungen folgt. «Ich durfte kürzlich die Typen von Metallica treffen. Schon klar also, dass in der heutigen Stunde Metallica läuft.»

Teufelshörner und Fäuste in der Luft

In den ersten fünf Minuten bereue ich es, meine Haare nicht richtig zusammengebunden zu haben. Vor einigen Jahren machte ich Crossfit, sechs Mal die Woche. Dass ich wegen Yoga schwitzen würde, habe ich nicht erwartet – mehr Stretching als «richtiger Sport». Spätestens, als meine Haare am Nacken in Schweiss getränkt sind, merke ich: Okay, ich muss das «Yoga ist kein Sport»-Klischee über Bord werfen.

Obwohl aus den Boxen Heavy Metal dröhnt, verfolgt Suzy trotzdem eher traditionelles Yoga und baut kleine Metal-Twists ein. Beim «herabschauenden Hund» fordert sie uns auf zu knurren und zu growlen, bei der Kobrastellung hämmern wir die Hände zum Takt auf die Matte. Die Kriegerposition führen wir mit dem Teufelsgruss aus, ebenfalls alle anderen Stellungen, die es uns erlauben, die Hände zu ballen und den kleinen Finger und Zeigefinger auszustrecken.

Die-Hard-Metalfans stehen drauf

Ein Nachteil beim Metal-Yoga ist, dass sich Anfänger wie ich schwieriger konzentrieren können. Die Musik ist zwar je nach Stellung langsamer, lenkt manchmal trotzdem irgendwie ab. Die positive Seite des Metal-Yogas übertrumpft den negativen Aspekt aber ganz klar. Und zwar macht Yoga mit härteren Gitarrenriffs einfach viel mehr Spass. Das ist auch der Grund, wieso Suzy oftmals Full House hat. «Der Die-Hard-Metalhead kommt wegen der Musik und weil er schon immer Yoga ausprobieren wollte», erklärt mir Suzy. «Alle anderen Yoga-Arten sind ihm zu ‹esoterisch›, also probiert er meinen Kurs aus.»

Gegen Ende kann ich nicht mehr. Aber nach und nach verstehe ich den ganzen Hype um Yoga. Ich bin körperlich zwar erschöpft, geistig aber irgendwie wacher als vorher, fühle mich ausgeglichener und bin richtig entspannt. Sind das die Auswirkungen, von dem die Yogis sprechen? Ich nehme es an. Ziemlich sicher wird es aber nicht das letzte Mal sein, dass ich (Metal-)Yoga mache.


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4 Kommentare

Daniel vor 8 Monate
Richtiges Metal-Yoga gibt es schon lange. Es heisst "Moshpit" und die Übungen heissen "Headbanging", "Wall Of Death", "Circle Pit" und "Violent Dancing". Der katharsische Entspannungseffekt übersteigt "Baum", "Hund" und "Sonnengruss" bei weitem. Aber: Dafür muss man echter Metaller oder ein echtes HC-Kid sein. Hipster-Lifestyle und ein Slayer-Shirt aus dem H&M reichen nicht.
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Vincent the Sandcorn vor 8 Monate
Ja was denn sonst? Die Saiten so richtig auf den Tonabnehmer knallen lassen. Auweja, schon wieder bei Tillate gelandet.
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Linksaussen vor 8 Monate
Und was musste Suzy Krauer für dieses Promo-Aufsätzchen aus der Tastatur einer 7.-Klässlerin bezahlen? Bitte kennzeichnet eure Werbe-Beiträge doch ehrlich.
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Antwort von Suzy Krauer vor 8 Monate
Hallo Linksaussen, Wenn ich wirklich für diesen Bericht bezahlt hätte, dann würde ich noch meine Website etc einfügen 😉 Der nächste Metal Yoga event, findet am 11.5. statt, du kannst dich gerne via metal.yoga@gmx.xh Anmelden. Liebe Grüsse Suzy
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