9-jähriger bringt sich nach Coming-Out um

Wenige Tage nach seinem Coming-Out wurde ein Junge aus Denver tot aufgefunden – seine Mitschüler hatten ihm gesagt, er solle sich umbringen.

Kinder können grausam sein. Wer in der Schule auch nur einen Zentimeter aus der Reihe tanzt, erntet den Spott seiner Mitschüler. Besonders das Thema Homosexualität stösst bei vielen noch nicht auf die Toleranz, die es im Jahr 2018 verdient hätte.

In Denver ereignete sich vergangene Woche ein besonders krasser Fall von Mobbing: Jamel Myles, ein neunjähriger Junge aus Denver, wurde von seinen Mitschülern in den Selbstmord getrieben – nur weil er offen mit seiner Vorliebe für das männliche Geschlecht umging.

«Er hat das nicht verdient»

In den Sommerferien erzählte Jamel seiner Familie erstmals von seiner Homosexualität. «Er hatte Angst, aber ich hab ihn einfach nur angelächelt und ihm gesagt, dass ich ihn trotzdem liebe», sagt seine Mutter zu The Denver Post.

Am 20. August, dem ersten Schultag nach den Ferien, ging der Viertklässler dann mit falschen Fingernägeln zur Schule und weihte seine Mitschüler ein. Von diesem Tag an wurde er gemobbt – die Klassenkameraden sollen ihn sogar aufgefordert haben, sich umzubringen. Seine Mutter wusste bis nach dem Selbstmord nichts von diesen Aussagen. Am Donnerstag fand sie ihn tot auf. «Er hat das nicht verdient», sagt sie. «Er wollte immer nur alle glücklich machen.»

«So ein Fall wäre auch bei uns möglich»

«Wir sind der Meinung, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, damit ein Coming-Out zu jeder Zeit, also auch für Kinder und Jugendliche, möglich ist», sagt René Schegg von Pink Cross, dem Schweizer Dachverband für schwule und bi Männer. «Niemand sollte seine Homosexualität verstecken müssen.»

Mit dem neuen Lehrplan 21 werde Schülern beigebracht, jede Form von Sexualität wertfrei zu beurteilen. Trotzdem sei auch die Aufsichtspflicht der Lehrer gefragt: «Wenn sie auf dem Pausenhof solches Mobbing beobachten, ist es wichtig, einzugreifen.» Aktuelle Studien würden zeigen, dass ein Coming-Out auch heute noch schwierig ist, insbesondere für Kinder und Jugendliche. «So ein Fall wäre also auch bei uns möglich», sagt Schegg.

«Ich bin innerlich tot»

Jamels Schule hat nach der Tragödie einen Brief an alle Eltern verschickt und bietet psychologische Betreuung an. Für seine Mutter kommt aber jede Hilfe zu spät: «Ich bin innerlich tot», sagt sie. «Er war wunderschön, er war magisch. Ich habe mein grösstes Geschenk verloren.»

Solltest du Hilfe bei deinem Coming-Out brauchen, unterstützen dich Organisationen wie die Milchjugend oder Du bist Du.


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288 Kommentare

Flurina vor 24 Tagen
Viele Kommentare hier sind wirklich bedenklich: warum soll ein 9 Jähriger nicht wissen können, dass er auf Buben steht, wenn Kindergärtler sich in Gspänli verlieben können, ohne dass die Eltern irgendwie Bedenken haben? Ich jedenfalls wusste schon mit 4 oder 5 Jahren, dass ich auf Buben stehe, ohne zu wissen, dass es sowas wie Sex/Sexualität überhaupt gibt. Mit 10 wurde ich von einer 11 Jährigen hofiert und auch da wusste ich, dass ihr Interesse nicht platonisch ist, obwohl ich mir in diesem Alter noch nie über Sex Gedanken gemacht habe. Ich wusste ganz einfach, wie sie tickt.
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Antwort von Chrisi vor 21 Tagen
Weil die Sexualität erst mit der Pupertät geweckt wird vielleicht? Vorher findet man jemanden einfach super toll. Aber ob man Homosexuell ist, weiss man noch nicht wirklich. Wie denn auch? Salopp formuliert: Man kann nicht wissen ob man einen Film gut findet bevor man ihn gesehen hat. Was passiert ist, ist tragisch. Es deutet aber eher auf eine ganze Reihe Probleme hin und nicht auf Homosexualität.
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BobStar vor 24 Tagen
Eine grausame Geschichte. Trotzdem kann man von 9-jährigen Schulkindern nicht verlangen, dass sie mit dem Thema adäquat umgehen können. Mit 9 Jahren habe ich z.B. gar nicht bemerkt das mein Kollege schwarz war. Für mich war das kein Unterschied zu andren Kids. Er war einfach ein Freund wie jeder andere auch. Wer aber sonst aufgefallen ist mit Kleidung, Frisur etc. etc. hat halt die Sprüche kassiert. Ich denke das hat nicht mit Homophobie zu tun gehabt, sondern einfach mit "Anders" sein.
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VladTepes vor 24 Tagen
das ist traurig... ich frage mich allerdings, wieso sich ein 9-Jähriger outen sollte
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