Schweizer Puppendoktor ist weltweit gefragt

Meinhard Röösli ist einer der ältesten und bekanntesten Puppen- und Bärendoktoren Europas. Wir statteten seiner Arbeits- und Wirkungsstätte einen Besuch ab.

 

Meinhard Rööslis Werkstatt ist auf den ersten Blick leicht zu übersehen. Ein kleines Schaufenster im Erdgeschoss eines schönen Wohnhauses in der Zürcher Klosbachstrasse, darüber der Schriftzug «Meinrad’s» in goldenen, ein bisschen ausgeblassten Lettern. Von aussen wirkt es, als hätte sich hier eine kleine Schneiderei niedergelassen, deren Besitzer keinen Wert auf geregelte Öffnungszeiten legen und nach Lust und Laune anzutreffen sind – oder eben nicht.

Öffnet Herr Röösli jedoch seinen Kundinnen und Kunden oder neugierigen Interessierten die oft verschlossene Tür, gewährt er zugleich Einlass in eine andere, märchenhafte Welt. Hunderte – wenn nicht tausende – Augen scheinen die unbekannten Eindringlinge genau zu mustern. Ein bisschen neugierig, etwas misstrauisch sogar. An diesem Ort regieren die Puppen und Teddybären, die der 71-jährige Puppendoktor seit Jahrzehnten sammelt, restauriert und liebevoll neu einkleidet. Menschen sind hier nur zu Besuch.

Mit Teddybär Seppli auf Reisen


Zusammen mit seinem Lebensgefährten, den er im Gespräch immer nur «mein Kollege» nennt, begann Meinhard Röösli – der in seiner Jugend eine Karriere als Schlittschuhläufer anstrebte und nach einer Verletzung in die Welt des Bankwesens wechselte – vor weit über 30 Jahren seine Arbeit als Puppendoktor. Während Röösli für das Handwerk zuständig ist, betreut der Kollege das wunderschöne Ladengeschäft «Maison de la Poupée» am Zürcher Neumarkt.

Manchmal, wenn er morgens seine Werkstatt betrete, begrüsse er seine Spielzeug-Freunde mit einem herzlichen «Guten Morgen!», gibt der Herr des Hauses schmunzelnd preis. So verrückt, dass er den Figuren echtes Leben zuspreche, sei er aber nicht. «Ich gebe ihnen nicht einmal Namen», sagt er. Nur ein einziger Teddy, der seinen Partner und ihn seit Jahrzehnten auf Reisen begleitet, «hört» auf den Namen Seppli.

Keine Massenprodukte für Kunden aus aller Welt


Die Räumlichkeiten des Ateliers sind ungemein grösser und weitreichender, als die Aussenfassade den Eindruck machen möchte. In mehreren Hinterzimmern stapeln sich haufenweise Kartons und Regale – bis unter die Decke angefüllt mit Einzelteilen: Arme, Köpfe, Plastikaugen, Gussformen. Hier verbringt der gebürtige Luzerner seit 1995 seine Arbeitstage, hier übt er sein Handwerk aus und doktert an alten Teddybären und Puppen herum, bis sie wie neu aussehen.

Kunden jeder Altersklasse und aus aller Welt kommen Herrn Röösli mit ihren liebsten Spielgefährten aus Kindheitstagen besuchen. Es gibt kaum ein Wehwehchen, das der rüstige Schweizer nicht beheben kann. Sogar ganz neue, eigene Tiere und Puppen kreiert der Meister. Sein beeindruckendes Handwerk, das ihm schon den einen oder anderen internationalen Fachpreis eingebracht hat, hat natürlich auch seinen Preis. Für Spezial- und Einzelanfertigungen greift man eben um einiges Tiefer in die Tasche, als für Massenprodukte aus dem Warenhaus.

Kamera und Schnitt: Dominik Kerschenbauer
 


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3 Kommentare

Miez vor 3 Monate
Herr Rösli ist einfach einzigartig!
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Antwort von H. Derungs vor 3 Monate
@Miez: Herr Rösli heisst Röösli und ist alles andere als einzigartig. Puppendoktoren gibts an jeder Ecke.
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Grosmami vor 3 Monate
Habe den 37 Jahre alten Puppenboy meiner Tochter für meine Enkelin bei ihm reparieren lassen. Super Arbeit. Der Puppendoktor macht das mit Herzblut.
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