«Es ist fake – in Russland gibt es keine Wahlen»

Die Politaktivisten von Pussy Riot traten diese Woche in Zürich auf. Wir haben sie im Interview nach den russischen Präsidentschaftswahlen gefragt.

Die russischen Präsidentschaftswahlen finden zwar erst morgen Sonntag statt – das Resultat scheint aber längst festzustehen: Umfragen zufolge ist eine weitere Amtszeit Wladimir Putins so gut wie sicher. Seine Konkurrenten liegen weit zurück: Rund 70 Prozent der Bevölkerung werden laut Befragungen den bisherigen Präsidenten wählen. Putin, der – mit einem Unterbruch als Ministerpräsident – bereits seit 18 Jahren an der Macht ist, würde damit für weitere sechs Jahre im Amt bleiben.

Zu Putins schärfsten Kritikern gehören die Politaktivisten Pussy Riot. Sie erlangten im Jahr 2012 internationale Berühmtheit, als drei Mitglieder nach einem illegalen Auftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, dem zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, verhaftet und verurteilt wurden. Gründungsmitglied Marija Aljochina verbrachte im Anschluss knapp zwei Jahre in Haft in einem Straflager. Diese Woche trat sie mit ihrem autobiographischen Werk «Riot Days» in der Zürcher Gessnerallee auf. Wir haben sie zum Interview getroffen und mit ihr über Politik gesprochen.

«Der Geheimdienst hat die Regierung übernommen»

Als wir Aljochina auf die anstehenden Wahlen ansprechen, unterbricht sie gleich: «Das sind keine Wahlen», sagt die Aktivistin. «In Russland gibt es keine Präsidentschaftswahlen – jedenfalls solltest du es nicht so nennen.» In ihren Augen sei die ganze Prozedur nur eine Inszenierung, um Putins Machterhalt zu legitimieren. «Es ist ein Fake. Das ist alles, aber bestimmt keine Wahl.»

Selbst wenn der 65-jährige nicht gewählt wird – was laut Aljochina an Unmöglichkeit grenzt – wäre das Problem für die Pussy-Riot-Vertreterin nicht gelöst. «Putin ist zwar das Gesicht des Systems aber eigentlich hat der Geheimdienst die russische Regierung längst übernommen», sagt sie.

«Das geht noch viel weiter»

Die ganze Problematik beziehe sich auch nicht nur auf Russland selbst, so die ehemalige politische Gefangene: «Was da passiert, geht noch viel weiter.» Sie spricht von kapitalistischen Interessen, die mittlerweile weltweit die Politik diktieren. Genau deshalb sei Protest von Aktivisten wie Pussy Riot so wichtig. «Es gibt keine Freiheit, wenn man nicht täglich für sie kämpft», skandiert sie während der Show, die am Abend aufgeführt wird.

Ob es denn überhaupt einen Wahlausgang gäbe, mit dem sie zufrieden wäre, fragen wir Aljochina. «Das bestmögliche Resultat wäre, wenn Europa versteht, dass wirtschaftliche Interessen nicht wichtiger als Menschenleben sein sollten.»

Wir sprachen mit Aljochina auch über ihre Zeit im russischen Gefängnis, den daraus resultierenden Zorn und ihr neues Werk «Riot Days». Den zweiten Teil unseres Interview mit Pussy Riot liest du nächste Woche auf 20 Minuten Tilllate.

Video von Valentina Sproge.


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59 Kommentare

Nose.of.Agency vor 4 Monate
Ja Logisch sind es 'fake' wahlen, zum vornherein ist klar wer gewinnen wird, und das ist LEIDER gut so. Wieso ?: Weil es nichts bringt Putin durch jemand anderen zu ersetzten, zumindest bringt Putin seit jahren stabilitat in Russland. Was für andere Politische Alternativen hat den Russland zu bieten ? Etwa die gleichen wie die nach dem Arabischen' Frühling ?? Klar waren es Diktatoreen , klar wurden Manschenrechte verletzt(so wie derzeit in Russland) aber was kam danach, wurde es besser ? Ein halber Kontinent befinden sich auf der Flucht der nahe Osten ist zum Pulverfass geworden. Für was ? Für eine Links-gerichtete 'gerechtigkeits' Ideologie Fanatiker, das Sind die gleichen Leute die jetzt sagen Die Flüchtlinge aus Syriern müssen vor dem Gotthard und brenner halt machen, ja Itlaien Ist Europa aber nur wenn es um Steuereinnahmen zugunsten Brüssel geht. Der Rest Interessiert niemand. Nein ich bin weder rechts, noch links, ich weiss nur eins Russland steht vor Europa, und mir ist lieber ein Diktator mehr auf der Welt der zumindest sen Land stabilisiert als ein geteiltes Russland inmitten eines Bürgerkriegs... Amerika wird uns Europäer nicht mehr helfen.. das ist sicher. Und ja eine Welt in Liebe & Frieden währe den meisten von uns lieber.. aber so ist es nun mal nicht.
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Irina vor 4 Monate
In z.b.St.Petersburg erhalten Frauen mit wenig Geld ihre Verhütungsmöglichkeiten gratis(ähnlich wie Bahnhofsmission).Finde ich super.Ja zu weitere 6 Jahre mit Putin.
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Antwort von Pi vor 4 Monate
Und das ist der Grund warum du für 6 weitere Jahre für Putin bist? 😂
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budi sanderos vor 4 Monate
eigentlich ists mir sowass von egal ob die russen wählen o. nicht. wir wählen zwar... danach kommen die waschtage u. alles wie gehabt. ähmmm....unterschied?
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