Vom Rucksacktourist zum Fabrikbesitzer

Ein junger Österreicher wanderte vor zwei Jahren nach Indonesien aus. Heute besitzt er eine erfolgreiche Textilfabrik auf Bali und exportiert hochwertige, fair produzierte Mode an Fashionistas auf der ganzen Welt.

Mark Baigent ist Auswanderer, international erfolgreicher Modedesigner, Textilfabrikant sowie Brot- und Arbeitgeber für 19 Angestellte. Und das mit gerade mal 26 Jahren. Der junge Mann – geboren in Neuseeland, aufgewachsen in Österreich – liess 2016 Europa hinter sich, um eine Auszeit in Indonesien zu nehmen.

Nachdem er – zusammen mit seiner damaligen Partnerin – das Modelabel «Mark&Julia» erfolgreich aufgebaut und diverse nationale und internationale Fashion-Preise abgeräumt hatte, reiste er kurzerhand und relativ planlos nach Bali. «Aus einem längeren Urlaub wurde eine permanente Heimat», erzählt uns der Kreative.

Kaum Geld für die Miete

«Bevor ich nach Bali gezogen bin, hatte ich fünf Jahre lang keinen Urlaub und lebte zwar gemütlich, aber es blieb nie viel übrig, um mir etwas anzusparen», verrät er seine Beweggründe, seinen Lebensmittelpunkt von Europa nach Asien zu verlegen. «Als ich hier ankam, hatte ich gerade mal genug Geld, um meine Miete zu bezahlen. Schnell habe ich bemerkt, dass Bali ein Hotspot für Künstler und Künstlerinnen ist, die nicht so ganz in das westliche System passen. Wenn man sich in Bali akklimatisieren kann dann kann man hier sehr erfolgreich sein.»

Heute leitet Mark neben seiner Modemarke, die sich auf fair produzierte Unisex-Kleidung spezialisiert, auch eine eigene Textilproduktionsfirma, mit der er auf lokaler Ebene viele neue – und ausserordentlich gut bezahlte – Arbeitsplätze geschaffen hat.

Religion ist Teil des Alltags

Das Startkapital dafür stellte er mit einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne über «Kickstarter» auf die Beine. Das Ziel von umgerechnet rund 17'500 Franken wurde nach kurzer Zeit übertroffen und Marks Karriere als Textilfabrikant nahm seinen Lauf. Statt strengen Tagesabläufen und strikt durchgeplanten, fast mit militärischer Präzision befolgten Aufgaben, gestaltet sich Marks Arbeitsalltag auf Bali jedoch anders, als in Wien.

«Mir wird zumindest nie langweilig», lacht er. «Natürlich muss ich auch Stoffe kaufen, Farb- und Druckmuster prüfen, Kundenbesuche machen. Und auch Rechnungen bezahlen. Dennoch unterscheidet sich viel. Menschen hier haben andere Werte und andere Prioritäten. Zum Beispiel ist nichts wichtiger als die eigene Religion. Was oft auch ein bisschen nerven kann, wenn man, so wie ich, Religion eher kritisch gegenübersteht.»

Der Umschwung ist zu merken

Aber diese Dinge müsse man akzeptieren, respektieren und damit umgehen. «Indonesien ist immer noch ein Entwicklungsland und leider sehr korrupt. Wer das Geld hat, hat die Macht in diesem Land. Und das bringt sehr viele Probleme mit sich. Es gibt keine soziale Unterstützung von der Regierung.»

Indonesien sei auch sehr patriarchisch und Frauen brauchen für sehr viele alltägliche Dinge die Erlaubnis ihres Mannes, so der Designer. «Die junge Generation aber denkt anders und ich bin zuversichtlich, dass sich bald vieles ändert. Zumindest hier auf Bali, wo vom Umschwung schon viel zu merken ist.»

Gentrifizierung wird zum Problem

Gerade Bali sei ein recht beliebter Ort für westliche Auswanderer und neue Business-Owner aus dem europäischen Kulturraum. «Bali erlebt Tourismus seit den Fünfzigern und hat sich recht gut angepasst. Hier wissen die Einwohner sehr genau, was westliche Menschen gut finden. Das hat natürlich auch seine negativen Seiten. Gentrifizierung ist auch in Indonesien ein Problem.»

Durch all die neuen Bauten durch europäische und amerikanische Zuwanderer, würde Stück für Stück das echte Bali verschwinden. «Die Gegend, in der ich anfangs gewohnt habe, ist jetzt kaum wiederzuerkennen. Wo vor zwei Jahren Bauern ihren Reis geerntet haben, stehen jetzt Betonvillen oder hippe Boutiquen. Leider regiert auch hier der Kapitalismus und vielen Landbesitzern fehlt die Bildung um gute Verkaufsgeschäfte abzuschliessen.»

Menschlichkeit vor Kapitalismus

Als einer der wenigen seiner westlichen Bekannten auf Bali, scheint Mark selbst kaum Umstellungsschwierigkeiten und Kontaktprobleme mit den Einheimischen gehabt zu haben. «Als ich mein Haus gemietet habe, habe ich mir extra ein Dorf ausgesucht, in dem ich der einzige Weisse war. Wenn man Interesse an der Kultur zeigt und Respekt hat, finden Balinesen das ganz toll. Und ich habe sehr schnell die Sprache gelernt, was bereits die halbe Miete ist.»

Als Arbeitgeber in der Region ist Mark sehr beliebt. Seine Mitarbeiterinnen werden weit über Mindestlohn bezahlt, bekommen 28 Urlaubstage im Jahr, Überstunden werden entlohnt. An Wochenenden wird nicht gearbeitet. Faire Produktionsbedingungen bedeuten für den Designer und sein Team aber nicht nur, sich an Gesetze zu halten.

«Es heisst auch, dass wir Interesse an den Personen zeigen, mit denen wir arbeiten. Wir sind auch privat füreinander da, können auch über Probleme reden. Ich fühle mich für meine Angestellten und deren Familien verantwortlich. Gerade in Indonesien ist so etwas leider nicht selbstverständlich.»

(Teaserbild: Rustylicious Mehta)


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19 Kommentare

Rolu vor 7 Monate
Dieses Crowdfunding ist eigentlich nichts anderes als Spenden sammeln. Dies funktioniert in dem man die Leute überzeugt durch eine sympatisches Auftreten und eine Portion Gutmenschtentum. Ich mags es Ihnen ja und jeder soll seine Gegebenheiten für sich nutzen aber befor man die Zahlen dieser Firma gesehen hat, sollte man noch nicht von unternehmerischem Erfolg reden.
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Antwort von vor 7 Monate
Die Firma in die ich mich eingekauft habe existiert seit 1993.
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Waterpolo1s vor 7 Monate
Echt toll! Bravo! Vom „Teller-Wäscher zum Chef“ ... es gibt es immer noch! 😃)
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Marc vor 7 Monate
Ja leider wieder einer der Leute die sich illegal in Bali einnisten, sich über Visa Bestimmungen hinwegsetzen und dann Schlupflöcher nutzen um eine Firma zu gründen. Normalerweise braucht man mind. 1 million Startkapital um als Ausländer eine Firma zu besitzen. Redet mal mit den Einwohnern von Bali ... Alle haben die Schnauze voll von solchen "Auswandern" die sich einen Dreck um die Gesetze kümmern...
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