Sie stirbt langsam und Instagram schaut zu

Eine junge Australierin leidet unter einer seltenen Krankheit, die sie umbringen wird. Auf Instagram wirbt sie deshalb für die Legalisierung von Sterbehilfe.

Die passive Sterbehilfe ist in der Schweiz legal. Seit 1982 begleitet unter anderem die Vereinigung für humanes Sterben «Exit» Menschen «mit unerträglichen Beschwerden, hoffnungsloser Prognose oder unzumutbarer Behinderung».

Das sind liberalere Gesetze als in so manch anderen Ländern. Australien zum Beispiel verbietet Sterbehilfe. Gerade mal der Bundesstaat Victoria lässt per Juni 2019 eine restriktive Voraussetzung für den assistierten Freitod zu. Einigen Einwohnern geht das gegen den Strich. Wie der 27-jährigen Holly Warland.

Für immer ans Bett gefesselt

Mit elf Jahren stellten Ärzte bei Holly die seltene und unheilbare Krankheit Gliedergürteldystrophie fest. Eine durch Genmutationen verursachte chronische Erkrankung, die Hollys Muskeln allmählich immer schwächer werden lässt und sie für immer ans Bett fesseln wird. Die Australierin leidet unter Lähmungen, Übelkeit, fehlender Mobilität. Ihr Leben meistert sie stets unter starken Schmerzen und mit Hilfe von anderen Menschen.

Bis 2016 konnte Holly ein einigermassen normales Leben führen. Als sie gerade ihren Doktor in Neurowissenschaften machte, wurden die Symptome der Gliedergürteldystrophie aber immer stärker. «Ich erwachte jeden Tag mit extremer Übelkeit, einem rasenden Puls, Muskelkater, Hyperventilation und unkontrollierbarem Zittern», schreibt sie auf «Bored Panda». «Mein Leben geriet ins Chaos.» Wegen zu grosser Belastung gab sie ihr Doktoratsstudium auf halber Strecke auf. Selbstironisch schreibt sie auf Twitter, sie habe «einen halben Doktor».

Sie kämpft für die Legalisierung von Sterbehilfe

Ihr Humor darf jedoch nicht mit Hoffnung verwechselt werden. Der jungen Australierin sei nämlich klar, dass sie nicht mehr lange leben wird. Gerade deshalb möchte sie auf ihre Krankheit aufmerksam machen und ihr Leben auf Instagram festhalten. Mit brutal ehrlichen Fotos – sie zeigt sich erbrechend oder schweissgebadet – teilt die freischaffende Autorin mit über 23‘000 Followern nicht nur öffentlich den Umgang mit ihrem schweren Schicksal, sondern wirbt damit gleichzeitig für die Legalisierung von aktiver Sterbehilfe in Australien.

Holly berichtet in einem Youtube-Video, dass sie sterben will. Nicht eines natürlichen Todes, sondern selbstbestimmt und früher. Sie werde irgendwann selber entscheiden, wann der Zeitpunkt für sie da ist, um ihre letzte Reise anzutreten. Für ihre Familie, ihren Partner und ihre Freunde zuerst ein Schock, sie können es dennoch nachvollziehen. «Eltern wollen nie ihre Kinder sterben sehen. Aber zu sehen, wie jemand leidet, ist für viele noch viel schlimmer», sagt Holly im Clip. Ihre Entscheidung sei gefällt, der Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest.


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53 Kommentare

Neumann vor 6 Tagen
Mutige Frau. Sie macht das Richtige und ich unterstütze sie vollkommen! Ich bin absolut für die Sterbehilfe, sie sollte noch viel mehr liberalisiert werden.
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Dachs vor 7 Tagen
Wäre es eine Möglichkeit, einfach auf das Essen und Trinken zu verzichten? Da wäre sie nach 10 Tagen auch nicht mehr am Leben.
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Antwort von vor 6 Tagen
Gibt Leute die schaffen das, aber ich denk den natürlichen Überlebensinstinkt darf man nicht unterschätzen.
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Pauline 1936 vor 7 Tagen
Falls ich krank wäre und grosse Schmerzen hätte, würde ich mich sofort um eine passive Sterbehilfe bemühen. Ich will auf keinen Fall nur noch im Bett liegen und an Schläuchen hängen. Jedem sollte doch das Recht zugestanden werden, sein Leben zu beenden, wenn es zu schwer und mühselig wird. Eine Patienten-Verfügung habe ich schon meinen Kindern und meinem Arzt gegeben.
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