Entschuldigt gute Mucke häusliche Gewalt?

Der Tod des Rappers XXXTentacion wirft hohe Wellen. Einige huldigen ihm, andere freuen sich gar über den Tod.

XXXTentacion war ein Unikat. Aus dem Nichts stürmte er vor einem Jahr mit verdammt offenen Texten über seine psychischen Struggles und Lo-Fi-Beats die Billboard-Charts. Jahseh Onfrey, wie er mit bürgerlichem Namen hiess, bot depressiven Menschen auf der ganzen Welt eine Stimme und half so Jugendlichen bei ihren psychischen Problemen.

Des Weiteren erzählte Onfrey im Radio viel zu stolz davon, wie er einen Schwulen verprügelte – weil er ihn ansah. Und die Vorwürfe der verflossenen Beziehung – die durch Aussagen anderer und teils auch Videos verhärtet werden – sind übel: Er sperrte seine damalige Freundin ein, drohte ihr, sie mit Grillwerkzeug zu vergewaltigen, prügelte auf die Schwangere ein, bis sie aus den Augen blutete und drohte ihr täglich damit, sie und das ungeborene Kind umzulegen. Abhauen konnte sie nur, weil XXXTentacion in einem Moment ein bisschen zu fest damit beschäftigt war, Minecraft zu Zocken.

«Verfolge deine Träume»

Und dann lässt Onfrey auf Insta Sätze fallen wie: «Du kannst alles aus dir machen, wenn du an dich glaubst. Lass dich nicht von deiner Depression herunterziehen. Du bist mehr wert als du jemals glauben kannst. Verfolge deine Träume.»

Kurzum: Der Typ war fucked. So richtig fucked. Ein ur-klassischer Künstler mit psychischen Problemen, gestörtem Ego und verdammt viel Kreativität. Ein Mensch, der Wildfremden mit Musik das Leben rettete und seiner Nächsten das Leben zur Hölle machte.

Darf man solche Leute zu Idolen erheben und sie abfeiern? Oder führt das nur zur Toleranz solcher Angelegenheiten, wie man es beispielsweise bei #metoo erlebte: Man sieht lange drüber hinweg, weil es berühmte, wichtige, eindrückliche Leute sind? Oder ruiniert das gar das Leben dieser Menschen, die wir so hypen?

Genie und Wahnsinn

Onfreys Schicksal zeigt doch ein grundlegendes Problem unserer Unterhaltungskultur. Wir reduzieren normale, vielleicht überdurchschnittlich kreative Menschen auf ihren Output, stecken sie in einen goldenen Käfig aus viel Cash und scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und drücken ihnen selbst für den trivialsten Scheiss hunderttausend Herzchen auf.

Das Problem: Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander, man denke nur an Jackson, Winehouse, Cobain oder Lil Peep. Grosse Künstler, bei denen alle Tassen im Schrank sind, sind eher die Ausnahme. Und dass Fame einer gesunden Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen eher im Weg steht, muss man wohl niemandem erzählen.

Keine Entschuldigung

Das ist vielleicht eine Erklärung, aber eben noch keine Entschuldigung. Und Mucke, mag sie noch so nice, tiefschürfend und inspirierend sein, ist es auch nicht. Es wäre garantiert ein wichtiges Statement gewesen, wenn sich die Fans nicht vor den Tatsachen verschlossen und kritiklos hinter XXXTentacion gestanden wären. Vielleicht hätte man ihm sogar helfen können.

Dennoch wäre es wohl ein Verlust für die Menschheit, hätte Onfrey seine krassen Tracks aufgenommen. Hoffentlich findet er nach seinem Tod sein Gleichgewicht.


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77 Kommentare

Braucht niemand vor 4 Monate
Man sollte zwar niemandem den Tod wünschen, aber Menschen wie den braucht echt niemand und seine "Musik" ist auch nur für Leute gut, die am liebsten mit ner Glock in ihrer Hood rumgammeln und den dicken Max markieren würden und andere einfach über den Haufen ballern, weil sie in einer anderen Strasse wohnen.
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Denis vor 4 Monate
Okei aber wiso muss man immer mit diesem #metoo mist kommen??
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Lucki vor 4 Monate
Damn shame bitte nächstes mal ein wenig besser recherchieren. Sein Name ist Onfroy und nicht Onfrey. Des weiteren ist der Vorfall mit den Grillwerkzeugen nur ein Vorwurf des Opfers, ob dies wirklich stimmt wurde noch nicht offiziell bestätigt. Das Opfer gab auch vor schwanger zu sein, was aber nicht stimmte. Die Freundin gab auch vor von ihm einige Knochenbrüche erlitten zu haben, was auch nicht stimmte, da auf Reddit die Bilder der Körperschäden veröffentlicht wurden. Im No Jumper Interview von 2016 hat Jahseh gesagt, dass er mit Ski Mask einen Schwulen verprügelt hat, weil dieser ihn vergewaltigen wollte. Er hat seine Fehler eingestanden und wollte fortan nur positive Vibes teilen. Im grossen und ganzem zieht dieser Artikel den Typen schon aber sehr ins Negative und fasst 0 seine guten taten zusammen, was an der Stelle angemessen wäre.
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Freddy Quecksilber vor 4 Monate
Hahahahaha gute Musik hahahahah Mein ihr das ernst? Hahahahahahahahahahahhahahahahahahahaah
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